Hochbaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb 'Neuordnung Mahnmal St. Nikolai' Hamburg
Architekt CJR Architektur, Christian Josef Rapp, München
Landschaftsarchitektin Jutta Giessel, München
Städtebauliche Konzeption Dirk Nielsen, Architekt, München
Mit unserem Beitrag zum Wettbewerb wollten wir die Erinnerung an die zerstörenden Kräfte des Krieges und der menschenverachtenden Diktatur baugestalterisch erneuern.
Die Mahnung ist distanzierend und konfrontierend. Die Mahnung zeigt Respekt und ist aufwühlend.
Die Mahnung erinnert an das was geschah, ist aber auch richtungsweisend für die Zukunft. Die Mahnung entsteht durch Schmerz, doch bietet sie Schutz.
Diese Gesichtspunkte prägen den Entwurf des Pavillons und der Platzgestaltung als neuem Element
des historischen Mahnmals.
Die prägnante Form entsteht über ein auskragendes Tragwerk, das durch einen Stahlkamm überspitzt wird. Diese Form kragt bedrohlich über dem ehemaligen Seitenschiff der ehemaligen Nikolai-Kirche. Das dem Pavillon gegenüber befindliche, turmartige Nebengebäude nimmt die Struktur des Pavillons auf und schafft Aufmerksamkeit entlang der Willy-Brandt-Straße.
Die neuen Baukörper haben im Detail eine aggressive Ausdrucksform, bleiben aber in ihren klaren, einfachen Strukturen zurückhaltend und konkurrieren nicht mit der historischen Bausubstanz.
Freiraumplanerische Leitidee:
Der Außenbereich ist geprägt durch das Denkmal und das die moderne Architektur umschließende 'Grüne Band'. Eine schützende Einfriedung mit Schnitthecken als Flächengrün, aus Rotbuche, in Reihen mit Abstand, Höhe 60 cm, kantigem Schnitt, erzeugt ein ikonographisches Bild für alle Stadtbewohner und Besucher. Durch diese grüne 'Umarmung' des Mahnmals gelangt man über prägnant geformte Eingänge auf das Kirchentableau. Dieses empfängt tagsüber mit seiner spröden Leere und dem Ausblick auf die Zerstörungen des Krieges. Kunstwerke, Gedenktafeln und zurückhaltendes Mobiliar sind auf den zweiten Blick erkennbar. Bänke und Sitzbereiche, teilweise auch mit Sonnenschutz oder auch im Schlagschatten des Kirchenturms bieten an, die Gedanken weiterzuführen. Bei Veranstaltungen schaffen klar positionierte, temporäre Bestuhlungen geordnete Sitzmöglichkeiten. In der Dämmerung und Dunkelheit erzeugt eine unauffällig im Randbereich des Tableaus angeordnete Beleuchtung Sicherheit für die Wegebereiche.
Die Ausstellung auf dem Kirchenplatz wird über scharfkantige Tische verwirklicht. Diese wirken von der Ferne sehr reduziert und stören die Leere des Kirchenplatzes in seiner Wirkung nicht. Eine beleuchtete Vitrine gibt Ausstellungsplatz für Analoge wechselnde Medien. Auf dem Bildschirm auf der anderen Seite können sich Interessierte informieren.